Wirtschaft & Arbeit - 25.06.2014

Elektroauto erobert Rennpisten

Das studentische Team Delta Racing wird bei seiner fünften Teilnahme an den internationalen Wettbewerben der Formula Student erstmals in dieser Saison auch in einem Fahrzeug mit Elektromotor antreten.Gleich zwei Fahrzeuge zu entwickeln und zu bauen, das war das ehrgeizige Ziel der 60 Studierenden, die nun mit den beiden neuen Rennboliden DR14-C und DR14-E für die Hochschule Mannheim im August in Deutschland, Österreich und Tschechien an den Start gehen.

Bei der feierlichen Präsentation der beiden neuen Fahrzeuge erinnerte Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch an das vergangene Jahr: „Damals durfte ich auch schon zu Ihnen sprechen, und ich habe Sie in Ihren damaligen ersten Überlegungen bestärkt: Einen elektromobilen Rennwagen für 2014 zu bauen. Mein Respekt! Sie erfüllen sogar Wünsche!“
 
Das Delta-Racing-Projekt ist für die Studierenden eine hervorragende Plattform, um an der Hochschule fakultätsübergreifend zusammen zu arbeiten. Die Studierenden lernen Kommilitonen aus den anderen Fakultäten kennen und sammeln Erfahrung bei der Arbeit in interdisziplinären Teams, im Projektmanagement, im Marketing oder bei der Sponsorenakquise. Nicht zuletzt bietet das Projekt hervorragende Anknüpfungspunkte, um die in Vorlesungen erlernten Inhalte in der Praxis umzusetzen.
 
„Doppelrollout bedeutet auch doppelt so viele strapazierte Nerven – und natürlich  doppelt soviel Teamgeist, Freude und Leidenschaft“, plauderte Marcel Erné, Pressesprecher von Delta Racing, aus dem Nähkästchen, dass man bis tief in den frühen Morgen vor der Präsentationen noch an den Rennautos gebastelt habe. „Nur im Team können wir erfolgreich sein, ein Rädchen greift ins andere.“
Auch der Prorektor der Hochschule, Professor Dr. Thomas Schüssler, lobte: „Das Team ließ nicht nach in den Bemühungen, es hat im Vergleich zum Vorjahr noch eine Schippe draufgelegt. Wir sind froh und stolz, dass wir Sie haben. Sie sind ein tolles Aushängeschild für die Hochschule und für Mannheim.“
 
Wirtschaftspolitische Strategie passt dazu
 
Die Konzeption des alternativen Rennwagens passt hervorragend in die wirtschaftspolitische Strategie der Stadt. Diese sieht den Aufbau und die Weiterentwicklung der Clusterthemen Energie, Umwelt, Mobilität und Logistik vor und  setzt dabei – genau wie Delta Racing auch – voll auf Elektromobilität. „Direkt vor der Tür der Hochschul-Aula wird zukünftig die Linie 63 von einem induktiv geladenen E-Bus angefahren, dessen Ladetechniksystem Primove von der Firma Bombardier in Mannheim entwickelt und verfeinert wird“, erläuterte Bürgermeister Grötsch. „Und auf den Konversionsflächen wird die Elektromobilität offensiv vorangebracht. Sie ist ein zentraler Baustein für eine innovative, klimafreundliche Mobilität, damit die Vision einer ,Blue City Mannheim’ Wirklichkeit wird. Wir glauben an die Vision und treiben die Innovationen hierzu voran.“
Zur Entwicklung innovativer Ansätze für die Konversionsflächen wurde die AG Ingenieursmeile gemeinsam mit großen Mannheimer Unternehmen aus diesen Branchen gebildet, in der Themen wie Neue Mobilität, Elektromobilität und Smart Grids herausgearbeitet wurden. Der Schwerpunkt des Konzeptes für die Weiterentwicklung liegt auf der Ableitung konkreter Maßnahmen, die in den nächsten Jahren schrittweise umgesetzt werden sollen. Ein wesentliches Ziel ist die Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen im Verkehrssektor durch den Einsatz emissionsarmer (Elektro-)Fahrzeuge und die Umgestaltung des Modal Split. Die Maßnahmen wurden mit den strategischen Zielen der Stadt Mannheim, der wirtschaftspolitischen Strategie und den Anforderungen der Klimaschutzkonzeption 2020 abgestimmt.
 
Als Grundlage wurden zunächst drei übergeordnete Maßnahmen definiert:  Masterplan blue_village_franklin, Masterplan Green Logistik sowie Masterplan Ladeinfrastruktur. Abgeschlossen ist bereits der erste Zwischenschritt auf dem Weg zum Masterplan blue_village_franklin mit dem Beschluss des Rahmenplans Benjamin Franklin Village im Gemeinderat am 13. Mai, der ein eigenes Kapitel zu „Energie und Mobilität“ enthält und damit den flächendeckenden Einsatz von Elektromobilität und Energieeffizienz auf Franklin vorbereitet. Ein erstes Projekt („Square“, das „Wochenblatt“ berichtete darüber  in der vorletzten Ausgabe) wurde bereits als Wettbewerbsbeitrag für das Landesförderprogramm „Klimaschutz mit System“ eingereicht.
Auch der Masterplan Green Logistic Park kommt mit der „Machbarkeitsstudie zum elektrischen Schwerlastverkehr im urbanen Raum – Anwendungsfall Mannheim“ voran. Hier ist mit Ergebnissen im Herbst zu rechnen. Die Projekte fördern E-Mobilität sowohl für den motorisierten Individualverkehr, den ÖPNV als auch den Wirtschaftsverkehr. Neben den konkreten Projekten auf den Konversionsflächen sind auch die Themen Innovationsförderung und Existenzgründung für die Elektromobilität wichtig.
 
Elektromobilität von allen begrüßt, aber...
 
„Sie als Fachleute für Antriebstechnologie und Elektromobilität wissen aber auch, dass die Elektromobilität prinzipiell von allen begrüßt wird, aber die Hersteller trotzdem nur sehr zögerlich und oftmals mit zu kleinen Stückzahlen auf den Markt gehen. Insbesondere für den Wirtschaftsverkehr ist das Angebot viel zu klein und basiert fast vollständig auf Einzelanfertigungen und Umbauten. Vielleicht wollen einige von Ihnen zukünftig diese Marktlücke schließen und sich nach dem Studium auf solche Umbauten mit einem eigenen Unternehmen spezialisieren. Dass Sie das technische Handwerkszeug hierzu haben, haben Sie mit dem heutigen Rollout mehr als deutlich bewiesen“, ermunterte Bürgermeister Michael Grötsch die Studierenden. „Sollten Sie an einer Unternehmensgründung interessiert sein, werden die Expertinnen und Experten vom Fachbereich für Wirtschafts- und Strukturförderung Ihnen gerne bei der Gründung einer Firma behilflich sein.“

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