Politik & Verwaltung - 23.02.2018

Einladung, sich als Neubürger einzubringen

„Es ist mir wichtig, Sie alle einzuladen, von Ihren Rechten wie Pflichten Gebrauch zu machen und sich einzubringen. Die Schaffung von Bedingungen für eine gemeinsame Gestaltung der Gesellschaft ist die Grundlinie der Integrationspolitik dieser Stadt“, richtete sich Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz an die rund 130 Neubürgerinnen und Neubürger, die zur achtzehnten Einbürgerungsfeier der Stadt Mannheim in den Rittersaal des Mannheimer Schlosses gekommen waren. 2017 wurden in Mannheim 996 Einbürgerungen vollzogen. Die Eingebürgerten kommen aus 87 verschiedenen Herkunftsländern.

In seiner Ansprache stellte der Oberbürgermeister auch die Bedeutung der demokratischen Werte heraus. Die Staatsbürgerschaft anzunehmen sei mit einem Bekenntnis zu den Grundwerten der Verfassung verbunden und zu gleichen Rechten und Pflichten aller. „Eine Staatsbürgerschaft anzunehmen, bedeutet, gleichberechtigte Bürgerin oder Bürger eines Landes zu sein. Staatsbürgerschaft ist keine ethnische Frage“, so der OB. Der Oberbürgermeister ging auch darauf ein, dass mit der Annahme der Staatsbürgerschaft, auch das Annehmen der Geschichte eines Landes verbunden sei: „Das ist nicht selbstverständlich. Das Annehmen der deutschen Geschichte umfasst dabei auch die Schattenseiten. Die Auseinandersetzung damit ist ein wesentlicher Teil der deutschen Identität.“ In diesem Zusammenhang ging der OB auch auf das Zusammenleben in Vielfalt ein, das in Mannheim eine positive Tradition habe und historisch in der DNA der Stadt liege. „Das friedliche Zusammenleben in Vielfalt ist unter Druck geraten. Diese Veranstaltung setzt für mich immer wieder ein Signal, dass das Zusammenleben in Vielfalt möglich ist“, erklärte der Oberbürgermeister.

In einer von Rosa Omeñaca Prado moderierten Gesprächsrunde erläuterten Diego Elola aus Argentinien, Georgina Rodriguez de los Santos aus der dominikanischen Republik und Maen Zeino aus Syrien, warum sie sich dazu entschieden haben, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Für alle ist klar, dass das Erlernen der deutschen Sprache der Schlüssel zur Integration ist. Elola ist katholischer Priester der spanischsprachigen Gemeinde in Mannheim. Ihn hat der Beruf nach Deutschland gebracht. Im Laufe der Zeit, so erklärt er, vermischten sich die Kulturen: „Man ist weiter Latino aber man funktioniert schon Deutsch“. Ähnlich sieht das Maen Zeino, der nach dem Studium der Pharmazie in Damaskus nach Deutschland kam. Er kam vor Ausbruch des Krieges in Syrien nach Deutschland und ist froh, dass er nicht „den Flüchtlingsweg“ nehmen musste. Er bezeichnet sich selbst als „Germano-Syrer“, nachdem er zwischenzeitlich eine Identitätskrise hatte und nicht mehr wusste, ob er Syrer oder Deutscher ist. Jetzt, so sagt er, lebt er das Beste aus beiden Kulturen. Georgina Rodriguez de los Santos hat vor allem die Tatsache, dass sie in Deutschland in einer Lebenskrise so viel Unterstützung erfahren hat, dazu bewogen, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Auch sie betont, dass das Erlernen der deutschen Sprache unabdingbar ist, um sich zu integrieren und sein Leben in Deutschland zu gestalten, auch wenn diese Sprache sehr schwierig sei: „Ich dachte: Wie kann man ein so langes Wort aussprechen, ohne atmen zu müssen?“. Rodriguez möchte gerne etwas zurückgeben von der „Warmherzigkeit und der Leidenschaft für Integration“, die sie hier erfahren hat.

Das musikalische Rahmenprogramm der Einbürgerungsfeier wurde vom Jugendhaus Herzogenried gestaltet. Die beiden Sängerinnen Alba Kras und Jamie Lee Maurer wurden vom Pianisten Daniel Hofstätter begleitet. Sie eröffneten nicht nur die Feier mit der deutschen Nationalhymne sondern sorgten auch noch mit dem selbst komponierten Lied „Mannheim ist mein Morgen“ für einen Gänsehaut-Moment am Ende der Veranstaltung.