Bildung & Wissenschaft - 12.04.2018

Eine Proklamation für Demokratie

„Rechts – Ex und Pop – oder eine Proklamation für die Demokratie“ ist der Titel eines Theaterstücks zum Thema Rechtspopulismus, das das CommunityartCenter Mannheim gestern in der– trotz des Streiks vollbesetzten - Aula der Eberhard-Gothein-Schule aufgeführt hat.

„Wenn wir überzeugt sind, in einer demokratischen, sozialen, freiheitlichen, pluralistischen Gesellschaft zu leben, ist dies eine Errungenschaft, die für künftige Generationen erhalten bleiben muss“, betonte die Bürgermeisterin für Jugend, Familie, Bildung und Gesundheit, Dr. Ulrike Freundlieb, in ihrer Ansprache zur Begrüßung. Das Theaterstück diene dazu, auch und gerade außerhalb des Unterrichts den Wert und die Bedeutung von Demokratie erfahrbar zu machen. Die Eberhard-Gothein Schule engagiere sich bereits seit Jahren für eine „Kultur des Hinschauens“ und habe hierfür auch die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhalten, berichtete Freundlieb.

Das Theaterstück trage dazu bei, bildungsrelevante Inhalte einer breiten Bevölkerung nahezubringen und diese erlebbar zu machen, Fragen zu stellen, zu sensibilisieren und zu mobilisieren, erläuterte die Bildungsbürgermeisterin. Sie verwies darauf, dass wir schon heute vielfältige Gelegenheiten erlebten, in den Ausgrenzung, Diskriminierung und individuelle Bedrohung geschehen, die als solche gar nicht wahrgenommen werden und damit ohne Widerspruch blieben. Sie rief die Schüler und Schülerinnen zur Wachsamkeit auf und motivierte sie, die Demokratie zu schützen. Sie appellierte an die jungen Menschen, ihr Wahlrecht zu nutzen, wenn 2019 beispielsweise der neue Gemeinrat zur Wahl anstehe.

Das Theaterstück fragt, wo und warum Ideen, die zur Abschaffung demokratischer Grundwerte führen, bei den Menschen andocken und welche Menschen und Netzwerke hinter „rechten Ideen“ stehen. Es basiert auf Texten aus Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Untersuchungen zur Rechtspopulismus, -extremismus, literarischen Fragmenten, Videoanalysen aus dem Internet und psychologischen Studien.

Anhand szenischer Darstellungen, beispielsweise eines Assessment-Centers für Rechtspopulisten, verdeutlichten die Schauspieler, wie scheinbar harmlose und für viele akzeptable Phrasen, die von der „Neuen Rechten“ genutzt werden, verfangen. Beispielsweise wenn eine Darstellerin sagt: „Ich bin eine Mutter, ich habe mein Ohr am Volk, ich stehe für den Normalbürger“ oder bekräftigt: „Es gibt ein menschliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Wir sind eine Gruppe. Aber da draußen stehen ganz viele, die wollen herein“. – einfache Sätze, die letztlich zu Ausgrenzung, Feindlichkeit gegenüber Anderen und letztlich zur Abschaffung der Demokratie führen. Scheinbar argumentativ werden solche Botschaften durch Verschwörungstheorien gestützt, wie beispielsweise der, dass die Bundesrepublik eine Firma sei, die von den Alliierten gegründet wurde und die die Deutschen als ihr Personal sieht, welcher Theorie etwa die sogenannten Reichsbürger anhängen – ebenso wie der Verschwörungstheorie der der „Lügenpresse“, die vorgibt, dass jegliche Presse staatlich kontrolliert werde, weshalb dem eine alternative rechte Medienlandschaft vorwiegend im Internet entgegengesetzt werden muss.

Im Anschluss an das Theaterstück bestand in einer Fragerunde Gelegenheit zur Diskussion.

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