Bildung & Wissenschaft - 06.12.2018

Eine neue Stadtbibliothek für Mannheim

Gemeinderat beschließt Auslobung eines Realisierungswettbewerbs für den Neubau

Die Stadtbibliothek Mannheim ist über alle Altersgruppen hinweg eine der meistbesuchten Bildungseinrichtungen der Stadt. Seit 1991 ist sie in der Innenstadt in N1 und im Dalberghaus auf zwei Standorte verteilt, was große logistische Herausforderungen mit sich bringt. Auch das nicht mehr zeitgemäße Raumkonzept und mangelnde Barrierefreiheit schränken die Arbeit ein. Der Gemeinderat hatte sich daher bereits bei den Etatberatungen im vergangenen Jahr mit großer Mehrheit für den dringend notwendigen Neubau der Stadtbibliothek am Standort N 2 ausgesprochen und die Verwaltung beauftragt, hierfür ein Realisierungskonzept zu erstellen. Dieses wurde gestern dem Gemeinderat vorgestellt. Dieser beschloss nun mit großer Mehrheit, dass für die bauliche Umsetzung der neuen Stadtbibliothek nebst Tiefgarage und Neugestaltung des Dalbergplatzes ein Wettbewerb ausgelobt werden soll. Die geschätzten Kosten für diesen belaufen sich auf zirka 310.000 Euro.

„Der Neubau von Bibliotheken ist nicht von ungefähr ein Thema  in vielen Städten: Die Zukunft von Bildung und der Zugang zu Information sind von zentraler Bedeutung. Sie sind zunehmend wichtiger werdende Orte der Begegnung. Zugleich stärkt der Neubau der Stadtbibliothek Mannheim die Urbanität und wertet Mannheims Zentrum weiter auf“, betont Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz.

Stadtbibliothek der Zukunft
Auf N2 soll eine moderne, an den Herausforderungen der Zukunft orientierte Stadtbibliothek entstehen. Hierbei spielt insbesondere der Medienwandel eine entscheidende Rolle: „Die rasante Digitalisierung, Veränderungen der Bildungslandschaft und soziokulturelle Umwälzungen verändern Bibliotheksarbeit massiv. Bibliotheksneubauten in anderen Städten belegen, dass diese die Funktion als Räume selbstgesteuerten lebenslangen Lernens und als kommunale Bildungseinrichtungen für alle Bürgerinnen und Bürger adäquat bedienen und somit neue Orte der Begegnung entstehen“, sagt Bildungsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb. Der Neubau sei somit ein enormer Schub für die Bildung in Mannheim.

Die Stadtbibliothek ist bereits heute mit über 610.000 Besuchen pro Jahr alleine in der Innenstadt eine der meistbesuchten Bildungseinrichtungen der Stadt und wichtiger Partner für Schulen, Kindertagesstäten und andere Bildungseinrichtungen und trägt mit ihrem vielfältigen Medien- und Veranstaltungsangebot erheblich zur kommunalen Bildung bei.

„Während die Räume in herkömmlichen Bibliotheken vor allem durch die Aufstellung von Medien, meist Büchern geprägt waren, werden zukünftig multifunktionale Flächen benötigt, die schnell einer veränderten Nutzung zugeführt werden können“, erläutert der Leiter der Bibliothek, Dr. Bernd Schmid-Ruhe. „Papierne Bücher behalten zwar auf absehbare Zeit ihre Bedeutung, werden aber durch digitale Angebote ergänzt. Lesen sei nach wie vor eine wichtige Schlüsselqualifikation und diese gelte es durch die Sprach- und Leseförderung in der Bibliothek zu vermitteln. Mindestens genauso wichtig seien in der Zukunft aber auch Medien- und Informationskompetenzen, die ebenso gefördert werden und sich im Raumkonzept niederschlagen müssten, informierte er.

„Die Stadtbibliothek der Zukunft wird ein Treffpunkt sein, ein Ort des Miteinanders und Zusammenkommens, an dem alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind, zu verweilen und sich zu beteiligen.  Es wird Orte geben, an denen man konzentriert an Tischen arbeiten oder sich in Gruppen besprechen und Referate vorbereiten kann. Woanders wird es Zonen zum Entspannen mit Sofas und Sitzsäcken oder gemütlichen Sesseln um zu Schmökern geben sowie ein Café, um sich zu stärken, Medienlabs zum Kreativsein und Forschen sowie natürlich Plätze für Informations- und Beratungsangebote“, beschreibt Schmid-Ruhe die Zukunftsvision.

Dalbergplatz als attraktiver Treffpunkt
Um parallel zum Neubau der Stadtbibliothek eine Stärkung der Urbanität und Aufenthaltsqualität zu erreichen, stellt die Neugestaltung des Dalbergplatzes einen wichtigen Aspekt der Stadtentwicklung dar, die daher ebenfalls Bestandteil des Wettbewerbs sein soll. „Mit der Einbeziehung des Dalbergplatzes in die Neugestaltung kann der positive Impuls, der von einer neuen Stadtbibliothek ausgeht, in das Quartier getragen werden. Der Dalbergplatz soll zum einladenden Entrée für die neue Architektur der Stadtbibliothek und als attraktiver Treffpunkt und Ort zum Verweilen werden. Zudem soll er ein weiterer wichtiger Baustein zur Aufwertung des öffentlichen Raums in der Innenstadt werden“, erklärt Baubürgermeister Lothar Quast den städtebaulichen Aspekt. Um den Platzcharakter zu stärken, wäre auch eine Öffnung nach N1 und N3 denkbar.

Gemeinschaftlicher Bau durch starke Partner
Das Realisierungskonzept sieht vor, dass die Stadt Mannheim und die Mannheimer Parkhausbetriebe GmbH (MPB) den geplanten Neubau gemeinschaftlich als Partner errichten. Die MPB sind Eigentümerin des Grundstücks N2 (Parkhaus und Dalbergplatz), die Stadt ist Eigentümerin der Erschließungsanlagen wie Oberflächenbelag, Beleuchtung, Hochbeete, Brunnen oder Denkmal. Die MPB wird der Stadt das Eigentum der durch die neue Stadtbibliothek genutzten Gebäudeteile verschaffen, z.B. durch die Bildung einer Teileigentümergemeinschaft. „Die Investitionen für Bibliothek und Garage werden anteilig geteilt. Der öffentlich-gemeinnützige und der wirtschaftliche Teil werden so unterschiedlich finanziert. Eine direkte Finanzierung der Bibliothek durch den Haushalt ist langfristig günstiger und durch die aktuelle Haushaltslage gut darstellbar. Diese Chance nutzen wir“, beschreibt Oberbürgermeister Kurz die Vorteile des Modells.

Im Quadrat N2 muss für den Neubau das Parkhaus mit Untergeschossen abgerissen werden. „Die Parkhäuser N1 und N2 können aber grundsätzlich getrennt voneinander bewirtschaftet werden“, erläutert der Geschäftsführer der MPB, Dr. Karl-Ludwig Ballreich „Durch den Neubau der Stadtbibliothek ergeben sich für die Stadtentwicklung neue Chancen, beispielsweise auch durch höhere Besucherzahlen, die wir nutzbar machen möchten. Daher haben wir zur teilweisen Kompensation der wegfallenden Stellplätze, deren Größenordnung vom Wettbewerb abhängig ist, den Bau einer Tiefgarage vorgesehen“, so Ballreich.

Die exakten Kosten für den Neubau der Stadtbibliothek auf N2 werden im Rahmen der Planung erst ermittelt. Laut einer Machbarkeitsstudie aus dem vergangenen Jahr belaufen sich die vorläufigen Kostenschätzungen auf zirka 33 Millionen Euro.

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