Politik & Verwaltung - 04.05.2021

Die Leistung der Gewerkschaften würdigen

Musste der traditionelle Gewerkschaftsempfang der Stadt Mannheim 2020 pandemiebedingt ersatzlos ausfallen, wollte man den Tag der Arbeit in diesem Jahr nicht einfach verstreichen lassen und hatte sich für eine virtuelle Podiumsdiskussion entschieden. Gastgeber Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz begrüßte dazu Jens Lehfeldt den Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes Mannheim/Rhein-Neckar West sowie Radmila Drvar, die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung von Essity Mannheim für die IG Bergbau, Chemie und Energie, Jutta Knapp, Betriebsratsvorsitzende der Mercedes-Benz Niederlassung Mannheim für die IG Metall sowie Ümit Lehimci, Betriebsratsvorsitzender im Großkraftwerk Mannheim für die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft verd.i.

„Der Empfang hat eine fast 60-jährige Tradition und würdigt die Leistung der Gewerkschaften und der Betriebs- und Personalräte und -rätinnen“, betonte der OB. Eine Leistung, die in Zeiten von Corona besonders wichtig sei. „Sowohl mit Blick auf die betriebliche als auch auf die gesellschaftliche Dimension der Pandemie“, betonte Kurz. Ohne das tatkräftige Mitwirken in den Betriebs- und Personalräten wären in den Unternehmen Fragen der Arbeitsorganisation und des Arbeits- und Infektionsschutzes nicht so rasch zu organisieren gewesen. „Personal- und Betriebsrät*innen sehen sich mit den finanziellen Sorgen von Mitarbeitenden ebenso konfrontiert wie mit der Frage, wie Home-Office und Home-Schooling unter einen Hut gebracht werden können oder wie sicher die Ausbildungsplatz ist“, so der OB.
Zusätzliche Herausforderung für die Stadt und die Stadtgesellschaft ist nach den Worten von OB Kurz zum einen, dass in Mannheim als überdurchschnittlich industriell geprägtem Standort, eine Vielzahl von Arbeitsplätzen nicht im Home-Office organisiert werden kann und zum anderen die Stadt besondere soziale Herausforderungen habe. Dazu komme, dass das urbane Leben über lange Strecken faktisch abgeschaltet sei, und man den Menschen nicht die gewohnte urbane Lebensqualität bieten könne. Daher sei diese Krise nicht nur eine gesundheitliche, sondern habe viele weitere Dimensionen.

„Wir mussten in den verschiedenen Werksteilen der Mercedes-Benz-Niederlassung alle schnell zu ‚digital experts‘ werden“, schilderte Jutta Knapp ihre Erfahrungen. Die Situation erforderte ein hohes Maß an Abstimmung sowohl der Betriebsräte untereinander als auch mit der Geschäftsleitung. „Solidarität und Flexibilität waren und sind gefragt. Insbesondere in der der Anfangszeit, als sich die Dinge mitunter stündlich geändert haben“, erläuterte Knapp. Dies sei zwar sehr herausfordernd gewesen. „Aber nichtsdestotrotz sind die Menschen teilweise auch zusammengewachsen und haben sich gegenseitig geholfen“, so Knapp.
Während Radmila Drvar berichten konnte, dass Essity Mannheim seine Ausbildungsplätze von 23 auf 42 erhöht und das Ausbildungszentrum erweitert hat, kämpfte der GKM-Betriebsrat um den Erhalt der Ausbildungsplätze im gewerblichen und kaufmännischen Bereich. Mit Erfolg, „denn da geht es schließlich um eine Perspektive für Schulabgänger. Und Corona darf jetzt nicht vorgeschoben werden“, so Ümit Lehimci. „Wir müssen so schnell wie möglich zurück zu den alten Ausbildungszahlen oder besser noch darüber hinaus. Das hat auch etwas mit Bildungsgerechtigkeit zu tun“, meinte auch DGB-Kreischef Lehfeldt, schränkte allerdings ein, dass manche besonders stark belastete Branchen, wie beispielsweise das Hotel- und Gaststättengewerbe, augenblicklich verständlicherweise als Ausbilder fehlen würden. Aber es gebe auch viele Bereiche wie etwa Paketversender, Online-Handel oder der Lebensmittelsektor, die gerade deutlich mehr Nachfrage zu verzeichnen hätten.

„In Mannheim sind insgesamt neun Prozent der Ausbildungsverhältnisse weggefallen“, ergänzte OB Kurz. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen gesunken. „Die Berufsorientierung fällt ja gerade schwer“, erklärte Kurz dazu. Zwar werde es eine digitale Ausbildungsmesse geben. Aber dieses Format stelle für manche eine zusätzliche Hürde dar. Nur ein Beispiel dafür, dass vor der Pandemie vorhandene Probleme nun noch einmal deutlicher hervortreten oder sich verschärfen würden. Die Stadtverwaltung jedenfalls werde mit gutem Beispiel vorangehen und sowohl in 2021 als auch 2022 die Ausbildungsplätze um jeweils 20 aufstocken. Bildungsgerechtigkeit sei schließlich eines der strategischen Ziele der Stadt.

„Wo und wie kann eine Kommune da was auffangen?“, wollte Moderatorin Frauke Hess mit Blick auf die immer wieder geschlossenen Schulen vom OB wissen. „Unterricht ist zunächst einmal Ländersache“, stellte Kurz fest. Die Stadt habe jedoch unterstützt, indem in benachteiligten Stadtteilen - teilweise spendenfinanziert, teilweise aus eigenen Budgets - Tablets an Schulen verteilt wurden. Doch insgesamt werde nachgelegt werden müssen - sowohl in der technischen Ausstattung als auch mit einem Kursangebot für benachteiligte Kinder. Insgesamt bleibe festzustellen, dass die Ressourcenverteilung im Bildungssystem immer noch nicht ausgleichend genug sei.

Positiv sei hingegen festzuhalten, so Jens Lehfeldt, dass die Digitalisierung auch neue Wege gezeigt habe. Mobiles Arbeiten aus dem Home-Office spare Wege, dennoch müsse man darauf achten, dass das soziale Gefüge in einem Unternehmen nicht verloren gehe. „Rein virtuell ist auch nichts, wir werden ein Gleichgewicht finden müssen“, meinte der DGB-Kreisvorsitzende.

Der OB wies darauf hin, dass sich aufgrund der neuen, deutlich ansteckenderen Virusvariante die Ansteckungsmuster in der dritten Welle verändert und nun deutlich mehr Betriebe betroffen seien. Daraus resultiere ein erhöhter Schutzbedarf. „Umso wichtiger sind die Betriebs- und Personalräte, die in denjenigen Unternehmen, in denen Home-Office nicht möglich ist, die erforderlichen Standards einfordern“, betonte er. Kurz rechnet aufgrund der Pandemie zudem mit mehr Armut in der Stadt. Kurzarbeit als wichtige Errungenschaft des Sozialstaates sei ein Instrument, das stabilisiere. „Auf lange Strecke ist es jedoch für viele Arbeitnehmer problematisch und wir müssen uns mit der Frage auseinandersetzen, wie wir Menschen so absichern können, dass ihnen ihre Arbeit zum Leben reicht“.

Aufzeichnung des Empfangs unter https://www.mannheim.de/gewerkschaftsempfang

Globale Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen

Piktogramm 16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
Piktogramm 17 Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Erfahren Sie mehr über die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen

Strategische Ziele der Stadt

  • Piktogramm Demokratie, Engagement und Beteiligung

    Mannheim zeichnet sich durch eine starke Stadtgesellschaft und gutes Verwaltungshandeln aus. Die Mannheimerinnen und Mannheimer nutzen überdurchschnittlich engagiert die Möglichkeiten, sich in demokratischen und transparenten Prozessen an der Entwicklung ihrer Stadt zu beteiligen.

Erfahren Sie mehr über die strategischen Ziele der Stadt

Medien