Soziales - 09.11.2018

Beratungsstelle Amalie feiert Jubiläum

Frauen in der Prostitution erleben auf doppelte Weise eine enorme Belastung: Sie müssen unterschwierigsten Bedingungen arbeiten und sind ständig gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden. Zudem werden sie häufig gesellschaftlich geächtet und moralisch verurteilt. In Mannheim bietet die Beratungsstelle Amalie „Beratung für Frauen in der Prostitution“ seit fünf Jahren betroffenen Frauen und ihren Kindern Hilfe an. Am 8. November feierte die Einrichtung ihr fünfjähriges Jubiläum mit Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sozialem im EinTanzHaus in der Trinitatiskirche.

Bärbl Mielich, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, lobte Amalie als „ein Beispiel für andere Regionen in Baden-Württemberg.“ Leiterin Julia Wege und ihr Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen können „sehr stolz auf diese Arbeit sein, die Sie in den letzten fünf Jahren geleistet haben. Bei Amalie werden die Frauen mit Würde behandelt und fühlen sich dort gut aufgehoben.“ Auch die Stadt Mannheim, die die Beratungsstelle finanziell wie inhaltlich unterstützt, gratulierte zum fünfjährigen Jubiläum: „Durch Ihre innovative Öffentlichkeitsarbeit und den Aufbau eines breiten Netzwerks haben Sie einen wichtigen Beitrag geleistet, dass sich die Stadtgesellschaft mit diesem Thema auseinandersetzt, sich Einstellungen ändern und Vorurteile abgebaut werden. Heute ist Amalie ein in Fachkreisen auch über die Stadtgrenzen hinaus geschätzte Einrichtung und die Expertise von Frau Wege und ihrem Team ist bei Politik und Medien gefragt“, sagte Sozialbürgermeister Michael Grötsch und wünschte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch für ihre zukünftige Arbeit viel Erfolg.

Gemeinsam mit dem TV-Streetworker Thomas Sonnenburg, bekannt aus der RTL Doku-Soap „Die Ausreißer – Der Weg zurück“, die 2008 den Deutschen Fernsehpreis erhielt, drehte das Amalie-Team einen eigenen Imagefilm. „Den Frauen eine Stimme geben – Soziale Arbeit der Beratungsstelle Amalie in Mannheim“ zeigt die Arbeit in der Beratungsstelle mit all ihren Herausforderungen, lässt aber auch betroffene Frauen zu Wort kommen, die deutlich machen, wie wertvoll diese Einrichtung ist.

Bei einer Talkrunde ließen Prof. Dr. Achim Weizel, Stadtrat Mannheimer Liste und Mitglied Amalie-Beirat, Otto Steinbrenner, ehemaliger Kriminalhauptkommissar, Hanne Kerker, Ehrenamtliche bei Amalie, Thomas Sonnenburg und Julia Wege sowie Prof. Dr. Martin Albert von der SRH Hochschule Heidelberg die vergangenen fünf Jahre und den Weg bis zur heutigen Einrichtung Revue passieren. Dekan der evangelischen Kirche Mannheim, Ralph Hartmann, betonte: „Ohne diese breite Förderung, insbesondere der Stadt Mannheim, dem Ministerium für Soziales und Integration und Aktion Mensch e.V., aber auch die Unterstützung der vielen Ehrenamtlichen, Spendern und Vertretern aus der Politik wäre Amalie nicht möglich.“ Leiterin Julia Wege ist stolz darauf, dass mit Hilfe von Polizei, Politik und sozialen Organisationen ein mittlerweile breites Netzwerk, verlässliche Zusammenarbeit und Unterstützung entstanden sind. „Ohne die Einbindung der vielen Einrichtungen, aber auch die Akzeptanz eines seinerzeit tabuisierten Themas, wäre Amalie nicht hier, wo es mittlerweile steht.“

Über die Beratungsstelle Amalie

Die Beratungsstelle Amalie gibt es seit Juli 2013 und befindet sich in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Mannheim. Grundlage für die Gründung der Beratungsstelle war eine wissenschaftliche Masterthesis von 2010 und ein darauf aufbauendes Handlungskonzept von Seiten der SRH Hochschule Heidelberg, Fachbereich Soziale Arbeit. Anfang 2012 wurde aus Eigenmitteln des Diakonischen Werkes eine Projektleitung eingestellt mit dem Ziel, die Beratungsstelle aufzubauen und die Finanzierung zu sichern. Parallel dazu wurde der „Runde Tisch Prostitution“ gegründet.

Aktuell besteht das Amalie-Team aus zwei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und vielen ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützern. Die Räumlichkeiten von Amalie befinden sich in der Draisstraße 1 im Stadtteil Neckarstadt-West. Neben einem Aufenthaltsraum gibt es zwei Büros für Beratungen, Duschmöglichkeiten für die Frauen und ein medizinisches Arztzimmer.

Ein Hauptangebot – neben der Möglichkeit der kostenlosen medizinischen Untersuchungen durch ehrenamtlich tätige Medizinerinnen und Mediziner in Kooperation mit dem städtischen Gesundheitsamt – ist die psychosoziale Beratung und Unterstützung beim Ausstieg aus der Prostitution. Als Meilenstein in der Weiterentwicklung des Angebotes der Beratungsstelle ist die Konzipierung und Einrichtung eines Wohnprojektes für Aussteigerinnen zu bezeichnen, die mit einer Projektfinanzierung durch die Aktion Mensch im Jahr 2016 eröffnet werden konnte, um ausstiegswilligen Frauen, auch mit Kindern schnellstmöglich Unterkunft und Betreuung außerhalb des Milieus zu ermöglichen.

Getragen wird die Arbeit von Beginn an durch ein breitgefächertes Netzwerk, das sich bei dem vom Diakonischen Werk Mannheim ins Leben gerufenen Runden Tisch Prostitution regelmäßig austauscht. Hier treffen sich Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung aus den Fachbereichen Gesundheit, Sicherheit und Ordnung sowie des Amtes der Gleichstellungsbeauftragten, der Polizei und des Gemeinderates.

2015 gründete Amalie einen Beirat, der die Arbeit fachlich begleitet und unterstützt und dem ehrenamtlich sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung als auch des Gemeinderates angehören.

Amalie wird finanziert durch die Stadt Mannheim, das Sozialministerium Baden-Württemberg, Aktion Mensch e.V., das Diakonisch Werk Mannheim und von Spenden.

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