Wirtschaft & Arbeit - 07.10.2020

Aus Stroh wird Zellstoff

Das Hygiene- und Gesundheitsunternehmen Essity wird künftig Zellstoff aus Weizenstroh herstellen. Das Unternehmen investiert am Standort Mannheim 40 Millionen Euro in ein neues, nachhaltiges Verfahren und wird dort als erster Hygienepapierhersteller jährlich 35.000 Tonnen eines alternativen Zellstoffs produzieren und in der Tissue-Fertigung industriell einsetzen.

In einem aufwendigen Verfahren hat Essity deshalb einen neuartigen Herstellungsprozess für Weizenstroh-Zellstoff so weiterentwickelt, dass er sowohl die Stroh-Beschaffung als auch die Zellstoff-Aufbereitung und dessen industrielle Verarbeitung zu hochwertigen Hygieneprodukten umfasst. Die neue Produktionsanlage, die bis Mitte 2021 auf dem Mannheimer Werksgelände von Essity entsteht, ist ein wegweisendes Pilotprojekt. Sie setzt technologisch um, was bisher nur im Versuchslabor umgesetzt worden ist.

Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz informierte sich bei einer Baustellenbegehung im Essity-Werk über die neue Anlage und zeigte sich dabei beeindruckt:„Die neue Produktionsanlage für die Strohzellstoff-Produktion ist ein wegweisendes Pilotprojekt und macht Essity zum Innovationstreiber in seiner Branche. Gleichzeitig ist dieses Projekt auch Ausdruck der Innovationskraft des Standortes Mannheim. Die Strohzellstoff-Produktion ist außerdem ein nachhaltiges Projekt, das die im Leitbild der Stadt Mannheim festgelegten Nachhaltigkeitsziele unterstützt.“

Insgesamt erstreckt sich die neue Anlage auf einer Fläche von 8.000 Quadratmetern über mehrere Gebäude. In einem historischen Gebäude, einem ehemaligen Ersatzteillager, das zu diesem Zweck mit viel Kreativität umgebaut wird, wird das Stroh zunächst von Fremdpartikeln befreit und gereinigt. Anschließend wird es in seine Bestandteile aufge-schlossen und der daraus resultierende Zellstoff wird im sogenannten Bleichturm, dessen Fundament bereits zu sehen ist, aufgehellt. Über Zufuhrleitungen, die bis zu 1 km lang sind, wird der Zellstoff in flüssiger Form direkt zu den Papiermaschinen gepumpt. Die Ablauge, das sogenannte Lignin, das als Nebenprodukt während der Zellstoff-Produktion an-fällt, wird in einer neuen Eindampfanlage konzentriert und kann später industriell weiterverwertet werden. Ein neues Strohlager, das auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern hinter der Anlage angelegt wird, komplettiert die 40-Millionen-Euro-Investition. Von hier aus wird das Stroh mittels Förderbändern in die Anlage transportiert.


 

 

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