Politik & Verwaltung - 18.02.2020

21. Mannheimer Einbürgerungsfeier

„Wir verstehen diese Veranstaltung als äußeres Zeichen der Wertschätzung für Ihre Entscheidung“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz bei der 21. Einbürgerungsfeier. 762 Menschen aus 75 Nationen wurden im Jahr 2019 in der Quadratestadt eingebürgert, 494 haben zwischen Mai und Dezember 2019 den deutschen Pass erhalten. Einige sind zwischenzeitlich in andere Städte gezogen, sodass die Einladung im Rittersaal des Schlosses dieses Mal an 500 Mannheimer*innen gerichtet worden war. „Sie sind wichtige Botschafter. Ich bitte Sie, Werbung zu machen bei Ihren Bekannten und Freunden und in Ihren Communities für diesen Schritt“, so der OB. Ein Schritt, der zeige, dass man unterschiedliche Identitäten haben kann, die nicht im Gegensatz zueinander stehen.

Grundsätzlich seien alle, die in Mannheim leben, eingeladen, die Stadtgesellschaft mitzugestalten. „Aber mit der deutschen Staatsangehörigkeit verbinden sich noch einmal besondere Rechte und Möglichkeiten“, erklärte er. „Machen Sie davon Gebrauch, bringen Sie sich ein!“ Oberbürgermeister Kurz erläuterte die deutsche Staatsbürgerschaft mit Ihren Rechten und Pflichten aus der deutschen Geschichte. Die Grundrechte stünden an erster Stelle der Verfassung aufgrund der Entrechtung des Einzelnen im Nationalsozialismus. Das gelte insbesondere für Artikel 1. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Er verwies auch auf die Erfahrung der Weimarer Republik, die scheiterte, weil sich im Parlament keine Mehrheit für die Demokraten mehr gefunden hatte. „Vielfalt ist Bereicherung. Sie ist auch Spannungsverhältnis. Zusammenhalt verlangt in vielgestaltigen Gesellschaften - und in besonderer Weise - Bereitschaft zum wechselseitigen Zuhören und den Willen zur gemeinsamen Gestaltung“, erklärte Kurz und bezeichnete es als wichtige Voraussetzung für Demokratie, miteinander im Gespräch zu sein. „Demokratie ist nicht gleichbedeutend mit der Herrschaft der Mehrheit. Unsere Vorstellung von Demokratie ist die Herrschaft des Arguments, das eine Mehrheit finden muss“. Demokratie sei nicht einfach und lebe von Demokraten. „Ich lade Sie daher herzlich ein, von ihren Rechten der Beteiligung Gebrauch zu machen und mitzugestalten“, sagte der OB.

Die Gründe, warum sich Menschen für die deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden sind unterschiedlich. „Weil ich hier eine zweite Heimat gefunden habe“, sagt Amr Ghali, der in Saudi-Arabien geboren und in Syrien aufgewachsen ist. Ursprünglich war er nach Deutschland gekommen, um sein Studium der Zahnmedizin fortzusetzen. 2016 fand er eine Festanstellung in Ludwigshafen. „Mannheim ist die Stadt, wo ich sesshaft werden und eine Familie gründen will“, erklärte er im Gespräch mit Rosa Omeñaca Prado, die drei der Neu-Mannheimer*innen für eine kleine Talkrunde nach vorne gebeten hatte. Für den Engländer Peter Catchpole wurden aus einem in Deutschland geplanten Jahr 37 an der Zahl. „Mein deutscher Pass kam einen Tag vor dem Brexit“, erzählte Catchpole, der in der Oststadt eine Sprachschule betreibt und präsentierte zur allgemeinen Erheiterung ein Jackett in den Farben schwarz-rot-gold, das ihm Freunde zur Feier des Tages geschenkt hatten. Die Eltern von Inayet Bostanci kamen als Gastarbeiter in die Bundesrepublik. Sie selbst wurde vor 40 Jahren in Deutschland geboren. Nach mehreren Anläufen auf die deutsche Staatsbürgerschaft hat sie jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Natalija Grittner ist in Serbien geboren und kam wegen eines Sprachkurses nach Deutschland. Der Liebe wegen ist die promovierte Bio-Chemikerin geblieben.

Musikalisch wurde die Einbürgerungsfeier von den Sängerinnen Alba Kras und Jamie Lee Maurer und Bastian Völkel am Klavier begleitet.

 

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