International - 06.05.2019

20. Einbürgerungsfeier der Stadt

„Mir war klar: Wenn ich hierbleiben will, dann muss ich mich integrieren. Dann will ich dazugehören“, sagte Ana Paula Matavelli- Bertram.  Die Liebe hatte die Rechtsanwältin vor fünf Jahren aus Brasilien nach Mannheim geführt. Sie war einer von 470 Menschen in Mannheim, die zwischen September 2018 und April 2019 die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben. Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz hieß bei der 20. Einbürgerungsfeier der Stadt alle im Rittersaal im Schloss und selbstverständlich auch in Mannheim willkommen.

„Wir haben eine Herkunftskultur und eine Aufnahmegesellschaft“, verdeutlichte der Oberbürgermeister. Das Leben in der Aufnahmegesellschaft verlange auch Anpassung und ein Bekenntnis zu deutschen Grundwerten. Und ebenso die Annahme der deutschen Geschichte. „Ohne den Blick zurück ist die Gegenwart unseres Landes nicht zu verstehen“, unterstrich Kurz und verwies dabei auch auf die Farben Schwarz, Rot und Gold: „Sie stehen nicht allein für Deutschland, sondern sie stehen für die deutsche Demokratie.“ Schon in der Frankfurter Nationalversammlung im Jahr 1848 Asier beschrieben worden : „Die Nationalität ist nicht mehr bestimmt durch die Abstammung und die Sprache, sondern ganz einfach bestimmt durch den politischen Organismus, durch den Staat das Wort „Deutschland“ wird fortan ein politischer Begriff.“, zitierte der Oberbürgermeister. Die Identität als politisches Geneinwesen, das nach gemeinsamer Zukunft und nicht nach Abstanmung frage, sei eine Errungenschaft, „an der wir gemeinsam weiter arbeiten müssen“, rief er alle neuen Staatsbürger auf,  „Seien sie engagierte Bürgerinnen und Bürger!“

 

Neben Ana Paula Matavelli-Bertram verrieten auch Efkan Barin und Stanislav Barski im Gespräch mit Moderatorin Rosa Omenaca Prado ihre Gründe, warum sie sich für den deutschen Pass entschieden haben. „Die Identität war für mich immer eine wichtige Frage“, erklärte Barin, der in Mannheim geboren wurde, zur Schule ging und auch hier studiert hat. Aber erst mit 37 Jahren hat er sich entschieden. Der Grund ist größer als Deutschland: „Der Brexit war der Anlass, mich einbürgern lassen zu wollen.“ Gerade bei der anstehenden Europawahl möchte er mitentscheiden und nicht sprachlos sein. „Aber in der Küche bleibe ich eher türkisch orientiert“, verriet er lachend. Ähnlich sieht es auch Stanislav Barski, der vor 32 Jahren aus Polen geflohen war. Nach seiner Anerkennung arbeitete der ehemalige Lehrer hier als Elektriker. „Deutschland sollte damals nur eine Zwischenstation sein. Jetzt ist es Heimat geworden.“ Besonders in Mannheim habe er sich heimisch gefühlt. „Hier gibt es so viele unterschiedliche Nationalitäten. Da fühlt man sich mit seiner Biografie nicht so allein.“ Barski und Barin nannten im Gespräch noch einen weiteren Grund, warum sie sich in Deutschland so wohl fühlen. „Ich liebe die deutsche Bürokratie. Für mich sind das die Spielregeln der Demokratie“, sagte Efkan Barin und erntete damit Zustimmung von seinen neuen Mitbürgern.

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