Älteres Paar
Jugendliche gegen Rassismus
Balalaika Spieler

Mannheimer Grundsätze zur Integration

Mannheimer Integrationspolitik

In Mannheim leben Menschen aus 170 Herkunftsländern. Zuwanderung aus allen Teilen der Welt prägt diese Stadt. Die kulturelle und religiöse Vielfalt ist eine unverrückbare Tatsache unserer Stadtgesellschaft, in der aktuell bereits über 43% der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben. 

„Toleranz bewahren und zusammen leben“ bezeichnet das integrationspolitische Ziel der Stadt Mannheim, dessen erfolgreiche Umsetzung als wesentliches Element für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt begriffen wird.

Gradmesser für ein gelingendes Miteinander ist das Zugehörigkeitsgefühl zu dieser Gesellschaft und auch das gemeinsam geteilte Verständnis, eine Stadtgesellschaft  zu sein. Zugehörigkeit erzeugt und fördert gesellschaftliche Verantwortung. Verantwortungsübernahme setzt Teilhabe voraus. Gelingende Integration bedarf deshalb der gleichberechtigten Teilhabemöglichkeiten am gesamtgesellschaftlichen Leben. Ein Zugehörigkeitsgefühl entsteht mit der gemachten Erfahrung der Teilhabe.  

Die Stadt Mannheim begreift Integration deshalb als die Schaffung von Bedingungen gemeinsamer Gestaltung. Und damit als eine Verantwortung und einen Auftrag der gesamten Stadtgesellschaft und ihren Institutionen.

In 2009 hat der Mannheimer Gemeinderat deshalb 14 Grundsätze verabschiedet, die dieses integrationspolitische Selbstverständnis der Stadt formulieren und einen verbindlichen Orientierungsrahmen für die Ausrichtung ihres integrationspolitischen Handelns bilden.

 

Mannheimer Grundsätze zur Integrationspolitik

Grundlage für die Gestaltung des Zusammenlebens in Mannheim sind die Maßgaben des Grundgesetzes
Alleine die Prinzipien des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates stellen die Gültigkeit der individuellen Freiheitsrechte sicher und gewährleisten das Recht auf kulturelle und religiöse Selbstbestimmung

Integration ist ein gemeinschaftlicher Anpassungsprozess und Aufgabe der gesamten Mannheimer Stadtgesellschaft
Wer Mannschaftssport betreibt weiß: Ohne Teamgeist kein Erfolg. Das Gleiche gilt auch für die gemeinsame Zukunftsgestaltung unserer Stadt. Gegenseitige Rücksichtnahme und Wertschätzung sind für unser Zusammenleben unverzichtbar

Interkulturelle Orientierung der Verwaltung und interkulturelle Kompetenz ihrer Mitarbeiterschaft prägen das Selbstverständnis der Stadt Mannheim
Moderne Verwaltung zeichnet sich durch ein bedarfsgerechtes, kundenorientiertes Dienstleistungsangebot für alle Bürgerinnen und Bürger sowie deren Servicezufriedenheit aus. Eine Willkommenskultur, Erreichbarkeit aller Kundengruppen sowie Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit von Verwaltungshandeln stärken das Vertrauen in unsere öffentlichen Institutionen

Mannheim ist eine weltoffene, internationale Stadt, die die Chancen der Zuwanderung für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung betont, die Potenziale der Menschen mit Migrationshintergrund fördert und die interkulturelle Kompetenz ihrer Einwohnerschaft stärkt
Mannheim gewinnt durch seine Zuwanderung. Das durch die Zugewanderten mitgebrachte soziale und kulturelle Kapital, die Sprachenvielfalt oder die unternehmerische Leistungsbereitschaft bereichern die Stadt und stärken unsere Zukunftsfähigkeit

Mannheim bekennt sich zum Grundsatz der Chancengleichheit aller– unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung und sexueller Identität
Gerechtigkeit und Chancengleichheit sind tragende Fundamente einer friedlichen und solidarischen Gesellschaft. Die Schaffung gleichberechtigter Zugangs- und Teilhabechancen bedarf unserer nicht nachlassenden Anstrengungen. Mannheim setzt einen besonderen Schwerpunkt auf Bildungsförderung und Bildungsgerechtigkeit

Alle in Mannheim lebenden Menschen setzen sich ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten gemäß für ihre gesellschaftliche Teilhabe ein. Entsprechend müssen die  Kenntnisgabe über die bestehenden Möglichkeiten und der Zugang hierzu gewährleistet sein
Gelingende Integration braucht bedarfsgerechte Unterstützungs- und Beteiligungsangebote sowie  (die Bereitschaft zu) deren Inanspruchnahme und den Zugang hierzu

Das Erlernen der deutschen Sprache ist unverzichtbare Voraussetzung für eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und eine selbstbestimmte Zukunft in dieser Gesellschaft
Das heißt auch, dass einem angezeigten Bedarf ein entsprechendes Sprachförderangebot vorzuhalten ist; insbesondere im Hinblick auf Förderbedarfe bei Kindern und Jugendlichen

Mannheim ist eine tolerante Stadt, in der kulturelle und religiöse Unterschiede akzeptiert und respektiert werden
Das Mannheimer Modell der „Offenen Moschee“ oder die „Meile der Religionen“ stehen beispielhaft für ein gelingendes Miteinander der Religionen

Alle in Mannheim lebenden Menschen anerkennen ihre Mitverantwortung für ein gelingendes Zusammenleben in kultureller und religiöser Vielfalt
Wo Menschen zusammen leben, gibt es Konflikte. Das ist normal. Entscheidend für die Qualität unseres Zusammenlebens ist deshalb nicht die Abwesenheit von Streitigkeiten, sondern vielmehr die Bereitschaft zur gegenseitigen Verständigung bei Konflikten und deren friedlicher Austragung

Mannheim sagt: Nein zu Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit; Initiativen gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit werden gefördert
Ein tolerantes Stadtklima schafft Lebensqualität und ist ein Standortvorteil. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben in einer weltoffenen, internationalen Stadt keinen Platz

Mannheim fördert interkulturelle Begegnungen und den interreligiösen Dialog aktiv und unterstützt entsprechende Initiativen
Interkulturelle Begegnungen schaffen Kenntnis und Verständnis; beide sind Voraussetzung für  gegenseitige Wertschätzung und ein gemeinschaftliches Miteinander

In Mannheim werden Vereine und Migrantenorganisationen als wichtige Integrationspartner anerkannt und in dieser Rolle unterstützt und gefördert
Vereine prägen die kulturelle Vielfalt und das soziale und interkulturelle Leben in unserer Stadt. Das integrative Potenzial der Vereine als Multiplikatoren und Vermittler gilt es zu stärken und (weiter) zu entwickeln

Mannheimer Integrationspolitik berücksichtigt die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern sowie Mädchen und Jungen
Gesellschaftliche Wirklichkeit wird niemals geschlechtsneutral wahrgenommen. Hieraus resultieren geschlechtsspezifische Lebenssituationen und –chancen. „Gender-Mainstreaming“ bezeichnet Ansätze, die diesen Unterschieden im Hinblick auf das Gleichstellungsziel gerecht werden

Alle Mannheimer Stadtbezirke bieten Lebensqualität
Zum Beispiel leisten viele MigrantInnen als Gewerbetreibende und Dienstleister einen wichtigen Beitrag zur  Nahversorgung in den Stadtquartieren und erhöhen darüberhinaus mit ihren multikulturellen Angeboten die überregionale Attraktivität Mannheims als Einkaufsstadt

Anhänge

Beschlußvorlage - Ziele und Grundsätze der Mannheimer Integrationspolitik 2009
B-Vorlage 486_2009_Integrationspolitische Grundsätze Mannheim.pdf(47.07 KB)