Stadt Mannheim will Jugendhilfe auf den Prüfstand stellen
Die Stadt Mannheim will in der Jugendhilfe neue Wege gehen. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket stellte die Bürgermeisterin für Bildung, Jugend, Gesundheit und Sport, Dr. Ulrike Freundlieb, in einem Pressegespräch vor. Ausgehend von zahlreichen schon existierenden oder jüngst eingeleiteten Maßnahmen möchte die Dezernentin, „dass wir alle Bereiche und Abläufe noch einmal auf den Prüfstand stellen“.
„Ich habe mich in den letzten Tagen intensiv mit den Umständen von Marcels Tod befasst“, sagte Freundlieb. Am Freitag beginnt vor dem Mannheimer Landgericht der Prozess gegen die Mutter von Marcel. „Für mich stellt sich das so dar, dass alle Beteiligten in bester Absicht gehandelt haben, im Ergebnis aber an die Grenzen der bestehenden Möglichkeiten gestoßen sind“, sagte Dr. Freundlieb. Gleichzeitig betonte sie, die rechtliche Beurteilung der Vorgänge sei die alleinige Angelegenheit der Justiz. Die Stadt werde die Aufklärung aber „mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unterstützen“. Sie informierte ferner darüber, dass die Staatsanwaltschaft in dieser Sache gegen zwei Mitarbeiter eines Freien Trägers und eine Mitarbeiterin der Stadt Mannheim ermittelt.
„Als neue Dezernentin im Amt möchte ich unabhängig von den aktuellen Vorgängen noch einmal grundsätzliche Fragen an die gesamte Organisation unseres Unterstützungs- und Hilfesystems stellen“, erklärte Freundlieb. Zunächst erläuterte die Bürgermeisterin, wie auf vielfältige Weise in den vergangenen Jahren das Hilfesystem des Jugendamtes ständig verbessert wurde. So habe die Stadt durch den Aufbau der „Frühen Hilfen“ ein gezieltes Angebot zur Unterstützung der frühkindlichen Erziehung für junge Familien gemacht. Als wohnortnahe und verlässliche Anlaufstelle zielten die „Frühen Hilfen“ darauf ab, potentielle Risikofamilien schnell zu erkennen.
Darüber hinaus habe das Gesundheitsamt in den vergangenen zwei Jahren geprüft, wie die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten des Gesundheitssystems über die Pflichtaufgaben hinaus verbessert werden kann. Freundlieb: „In Abstimmung mit der Kinderklinik hat das Gesundheitsamt seit Oktober 2011 regelmäßig eine gemeinsame Sprechstunde durchgeführt“. Dabei wurde ein Arbeitskreis „Kindesschutz bei behinderten Kindern“ eingeführt, um die Möglichkeit der Fallbesprechung auf der Ebene der Praktiker zu geben.
In den kommenden Monaten werde die Stadt folgende Maßnahmen einleiten: Mit Unterstützung externer Experten soll das Zusammenspiel aller Akteure des bestehenden Mannheimer Netzwerks kurz- und mittelfristig weiter optimiert werden. Die anstehende Organisationsbetrachtung des Jugendamts soll auch noch einmal die Frage nach dem bestmöglichen Zusammenwirken von Führung, Organisationsaufbau und Mitarbeiterschaft aufwerfen. „Auf der Grundlage aller Ergebnisse dieses Prüfprozesses werden wir ein Projekt ,Neuausrichtung der Jugendhilfe in Mannheim` aufsetzen, das bereits angeschobene Maßnahmen und die Handlungsempfehlungen der Experten, die Ergebnisse der Organisationsbetrachtung und die Ergebnisse der Fallanalyse zusammenführen soll“, sagte Freundlieb.
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