Stadt Mannheim: Leben im Quadrat Freitag, 12. März 2010 Inhalt
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 083 Gastwirtschaft "Zur Bergstrasse" S 4, 8-9

Stadtpunkte - Mannheimer Geschichte vor Ort

Gastwirtschaft "Zur Bergstrasse" S 4, 8-9

Gastwirtschaft "Zur Bergstrasse" S 4, 8-9

  • Kategorie 4: Demokratie – Arbeiterbewegung – Widerstand

  • Kategorie 5: Lebendige Stadt – Geschundene Stadt – Moderne Großstadt

Im ehemaligen Eckhaus S 4, 8-9 befindet sich Anfang des 20. Jahrhunderts das Gasthaus „Zur Bergstraße“. Hier wird im Oktober 1904 von rund 25 Anwesenden der Verband junger Arbeiter Mannheims gegründet. Er ist der erste deutsche Arbeiterjugendverein. Die Idee dazu hat der spätere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Frank vom Internationalen Sozialistenkongress in Amsterdam mitgebracht. So lädt er gemeinsam mit dem Turnwart der Freien Turnerschaft Franz Häußler an einem Sonntag Anfang Oktober 1904 zu einer Zusammenkunft in die Restauration. Der Einladung folgen etwa 25 junge Arbeiter, die noch während der Versammlung den Verband junger Arbeiter Mannheims und damit einen der ersten deutschen Arbeiterjugendvereine gründen. Nach der Entstehung weiterer Vereine in anderen Städten erfolgt der Zusammenschluss im Verband junger Arbeiter Deutschlands mit Sitz in Mannheim, Vorsitzender wird Bruno Wagner. Die Mitgliedschaft wird ausdrücklich auch auf Arbeiterinnen ausgedehnt, deren Zahl aber nie über einen Anteil von zehn Prozent der Mitglieder steigt. Sprachrohr der Organisation ist ab dem 1. April 1906 die Zeitung „Die junge Garde“ unter der Redaktion von Ludwig Frank. Unter dem Druck eines reaktionären Reichs-Vereinsgesetzes muss sich die Arbeiterjugend-Organisation 1908 auflösen.

Kopf der Zeitung „Die Junge Garde“, 1906.
Das Quadrat S 4 im Jahr 1899
Ludwig Frank (1874-1914)

Abbildungen

Von Links nach rechts:

  • Kopf der Zeitung „Die Junge Garde“, 1906.

  • Das Quadrat S 4 im Jahr 1899. Auf dem Plan wird die Entstehungszeit der Häuser dargestellt: Schwarz bedeutet eine Bauzeit vor 1800, blaugrün zwischen 1800 und 1850, grün zwischen 1851 und 1870, braun zwischen 1871 und 1880, rosa zwischen 1881 und 1890 sowie gelb nach 1890. Die rosa eingezeichnete Restauration „Zur Bergstraße“ S 4, 8-9, ist 1904 noch ein recht neues Gebäude. (Stadtarchiv Mannheim – ISG, KS00066)

  • Ludwig Frank (1874-1914), Sohn eines jüdischen Händlers aus Nonnenweier bei Kehl, gehört vor dem 1. Weltkrieg zu den führenden Persönlichkeiten in der SPD. Der in Mannheim als Rechtsanwalt niedergelassene Frank gilt als Hoffnungsträger einer demokratischen Entwicklung in Deutschland. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs meldet er sich freiwillig an die Front und fällt bereits am 3. September 1914 in Lothringen. (Stadtarchiv Mannheim – ISG, Bildsammlung KF041036)

Diese Tafel wurde gestiftet von: GBG Mannheim