Stadt Mannheim: Leben im Quadrat Montag, 15. März 2010 Inhalt
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 038 Bierbraukunst und Wirtshäuser in P 2

Stadtpunkte - Mannheimer Geschichte vor Ort

Bierbraukunst und Wirtshäuser in P 2

038 Bierbraukunst und Wirtshäuser in P 2

  • Kategorie 1: Festung – Planstadt – Residenz

  • Kategorie 2: Migration – Toleranz – Verfolgung

In den Jahren zwischen 1652 und 1689 gibt es in Mannheim rund 100 Gastwirtschaften. Allein im Quadrat Nr. XXII, heute P 2, haben 1684 neun der insgesamt 17 Häuser eine Schildgerechtigkeit, also die Konzession für ein Wirthaus. Eines davon gehört Jean du Chêne (andere Schreibweise Chesne), auf deutsch also „Hans von der Eiche“. Seiner Kunst als Bierbrauer verdankt die heutige Eichbaum-Brauerei ihren Ursprung. Er stammt aus Richebourg in der Picardie (Nordfrankreich) und ist einer von vielen hugenottischen Flüchtlingen, die seit 1652 nach Mannheim kommen, weil Kurfürst Karl Ludwig (1617-1680) ihnen die freie Ausübung ihrer Religion zugesagt hat. 1684 unterhält du Chêne das Wirtshaus „Zur gülden Ganß“, nachdem er zuvor schon 1679 in Q 5 ein Wirthaus betrieben hat. Außerdem hat er das Amt eines städtischen Brunnenmeisters inne, zusammen mit seinen Kollegen muss er für die Reinheit des Brunnenwassers sorgen. Infolge der Zerstörung Mannheims im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zieht du Chêne weiter nach Brandenburg und schlägt in Berlin neue Wurzeln.

Grundriss des Quadrats P 2 nach dem Grundstücksverzeichnis von P.J. Ullmann von 1684. Die auf dem Quadrat befindlichen Wirtshäuser und die Brunnen sind rot, die Handelshäuser gelb unterlegt
Ersterwähnung der Schildgerechtigkeit (Wirthauskonzession) „Zur gülden Ganß“ im Ratsprotokoll der Stadt Mannheim. Eintrag zum 20. Februar 1677
Die Wirtshaustradition in P 2 bleibt auch im 18. Jahrhundert und später ungebrochen. Das Wirtshaus „Stadt Lück“ in P 2, 9, das schon vor 1688 existiert, ist ein zweigeschossiger Bau, dessen Dachausbau Mitte des 19. Jahrhundert erfolgt. Aufnahme von 1908
Einzug der aus Mannheim geflohenen Hugenotten in Magdeburg 1689; Kupferstich von Nikolaus Brühl, um 1700. Anders als du Chêne lässt sich die Mehrzahl der Mannheimer Hugenotten in Magdeburg nieder, wo ihnen der Kurfürst von Brandenburg ebenfalls gute Bedingungen bietet

Abbildungen

Von links nach rechts:

  • Grundriss des Quadrats P 2 nach dem Grundstücksverzeichnis von P.J. Ullmann von 1684. Die auf dem Quadrat befindlichen Wirtshäuser und die Brunnen sind rot, die Handelshäuser gelb unterlegt. (Stadtarchiv Mannheim – ISG)

  • Ersterwähnung der Schildgerechtigkeit (Wirthauskonzession) „Zur gülden Ganß“ im Ratsprotokoll der Stadt Mannheim. Eintrag zum 20. Februar 1677. (Stadtarchiv Mannheim – ISG)

  • Die Wirtshaustradition in P 2 bleibt auch im 18. Jahrhundert und später ungebrochen. Das Wirtshaus „Stadt Lück“ in P 2, 9, das schon vor 1688 existiert, ist ein zweigeschossiger Bau, dessen Dachausbau Mitte des 19. Jahrhundert erfolgt. Aufnahme von 1908. (Stadtarchiv Mannheim – ISG)

  • Einzug der aus Mannheim geflohenen Hugenotten in Magdeburg 1689; Kupferstich von Nikolaus Brühl, um 1700. Anders als du Chêne lässt sich die Mehrzahl der Mannheimer Hugenotten in Magdeburg nieder, wo ihnen der Kurfürst von Brandenburg ebenfalls gute Bedingungen bietet. (Kulturhistorisches Museum Magdeburg)