Stadt Mannheim: Leben im Quadrat Donnerstag, 11. März 2010 Inhalt
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 063 Wohnhaus von Karl Mathy O 4, 10

Stadtpunkte - Mannheimer Geschichte vor Ort

Tafel in O 4,10

Wohnhaus von Karl Mathy O 4, 10

  • Kategorie 3: Bürgertum – Handel – Industrie

  • Kategorie 4: Demokratie – Arbeiterbewegung – Widerstand

Der studierte Volkswirt Karl Mathy, seit 1829 im badischen Staatsdienst tätig, wird wegen seiner Teilnahme am Hambacher Fest 1832 aus seinem Amt entlassen und muss wegen oppositioneller Pressetätigkeit im Jahr 1835 in die Schweiz fliehen. 1840 kann er in seine Geburtstadt Mannheim zurückkehren und bezieht eine Wohnung in O 4, 10. Als einer der Führer der demokratischen Opposition wird Mathy 1842 Abgeordneter in der Zweiten badischen Kammer. Im Juli 1847 gründet er zusammen mit Friedrich Daniel Bassermann eine Verlagsbuchhandlung, deren Geschäftsräume sich im Erdgeschoss des Hauses O 4, 10 befinden. Hier erscheint die „Deutsche Zeitung“, das wichtigste Organ der gemäßigten Liberalen in der 1848er Revolution. Nach dem Ausbruch der Märzrevolution 1848 ist Mathy an der Landesregierung beteiligt. Auch als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und im Reichsfinanzministerium der Bundesregierung bekleidet er wichtige Ämter. Nach dem Ende der Revolution ist er zunächst wieder journalistisch tätig, wird aber 1862 erneut in den badischen Staatsdienst berufen und begleitet von 1866 bis 1868 das Amt des badischen Ministerpräsidenten.

Karrikatur der Verhaftung des revolutionären Journalisten Joseph Fickler
Karl Mathy (1807-1868)
Friedrich Daniel Bassermann (1811-1855)
Zweite badische Kammer in Karlsruhe, 1842

Abbildungen

Von links nach rechts:

  • Karl Mathy gibt 1848 seiner nunmehr gemäßigten Haltung durch die eigenhändige Verhaftung des revolutionären Journalisten Joseph Fickler (1808-1865) Ausdruck. Die satirische Darstellung dieses Ereignisses ist eine der bekanntesten Karikaturen der Revolutionszeit. (Stadtarchiv Mannheim – ISG, Bildsammlung AB00124-017)

  • Karl Mathy (1807-1868). (Stadtarchiv Mannheim – ISG, Bildsammlung KF038488)

  • Friedrich Daniel Bassermann (1811-1855) übernimmt viele politische Ämter: 1837 bis 1848 ist er Mitglied im Mannheimer Bürgerausschuss, von 1841 bis 1851 gehört der Zweiten badischen Kammer an und wird 1848 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Enttäuscht über das Scheitern der Revolution und des Parlaments und von Krankheit gezeichnet, setzt er 1855 sei-nem Leben selbst ein Ende. (Stadtarchiv Mannheim – ISG, Bildsammlung KF007768)

  • Zweite badische Kammer in Karlsruhe, 1842. Auf der linken Seite des Sitzungssaals hat die liberale Opposition ihren Platz. (Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim)