Kultur
Stamitz-Orchester Mannheim
Wir über uns
Das Stamitz-Orchester Mannheim ist ein reines
Laien-Symphonie-Orchester, und zwar eines der größten und ältesten
in Europa. Nur der Dirigent ist aus Tradition ein
Berufsmusiker.
Das Orchester entstand im Herbst 1778, als der pfälzische
Kurfürst Karl-Theodor diebayerische Erbfolge antrat und gemäß
Erbvertrag seinen Hof nach München verlegen mußte. Dorthin nahm er
nicht nur alle Kunstschätze mit, sondern auch die Hofkapelle, die
damals europäischen Ruf genoß. Ein zeitgenössischer englischer
Reisender nennt sie "eine Armee von Generälen", da der größte Teil
ihrer Mitglieder nicht nur namhafte Virtuosen, sondern auch
Komponisten waren [Ignaz Holzbauer, Franz Xaver Richter, Georg
Joseph (Abbé) Vogler, Christian Cannabich, Franz Danzi u.v.a.m.].
Besonders ihr Leiter, der Böhme Johann Wenzel Stamitz (geboren 1717
in Deutsch-Brod, gestorben 1757 in Mannheim), entwickelte eine ganz
neue Kompositionstechnik, die musikhistorisch als "Mannheimer
Schule" bekannt wurde und die Wiener Klassik maßgeblich
vorbereitete.
Wolfgang Amadeus Mozart, der sich lange um eine Anstellung am
kurpfälzischen Hof in Mannheim bemühte, wurde Zeuge der Formierung
des ersten Mannheimer Liebhaberorchesters und berichtet seinem
Vater über diese "accademie des amateurs" in einem Brief vom 12.
November 1778 nach Salzburg. Das Ensemble gab am 20. November 1778
sein erstes Konzert und trug rund ein halbes Jahrhundert das
gesamte Kulturleben Mannheims. Aber auch nach Wieder-Begründung
eines rein professionellen Orchesters blieb das Laien-Orchester bis
zum heutigen Tage bestehen und gab sich 1922 den Namen
"Stamitz-Orchester", um den Namen des Begründers des musikalischen
Rufes Mannheims lebendig zu erhalten. Unter namhaften und
engagierten Dirigenten hat sich das Orchester ein umfangreiches und
anspruchvolles Repertoire erarbeitet, das ein Jahr für Jahr
wachsendes Stammpublikum anzieht.
Über seine lokalen Auftritte hinaus bestreitet das Orchester als
Beitrag zur Erwachsenen-Bildung in Zusammenarbeit mit
Volkshochschulen eine Vielzahl von Konzerten im näheren und
weiteren Umkreis Mannheims. Ohne Anspruch auf die Perfektion von
Berufs-Orchestern, aber mit dem leidenschaftlichen Ehrgeiz des
Liebhabers will es seinen Hörern vor allem Mut machen, sich selbst
aktiv mit der klassischen Musik auseinanderzusetzen. Seine
Bedeutung in diesem Sinne und seine Verdienste um das Musikleben
haben der Mannheimer Gemeinderat 1954 mit der Verleihung der
Schiller-Plakette, Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1986 mit
der Verleihung der PRO-MUSICA-Plakette und die Landesregierung
Baden-Württemberg 1998 mit der Verleihung der
Conradin-Kreutzer-Tafel gewürdigt.