Liane Schmitt

Das Leben von berufstätigen Eltern ist eine einzige Herausforderung, aber eine schöne!

Es gleicht einem Spagat zwischen verschiedenen Welten, denn berufstätige Mütter oder Väter möchten natürlich beiden Rollen gerecht werden. Sie müssen sich mit einem Umfeld auseinandersetzen, das sein Leben möglicherweise anders gestaltet und andere Prioritäten setzt. In Besprechungen beispielsweise können Sie nicht überziehen, sondern müssen pünktlich gehen. Das zeigt: auch vom Umfeld wird viel abverlangt, sei es vom Arbeitgeber, vom Partner, der einspringt, oder von den Kindern selbst. Wesentlich ist dabei, dass man kein schlechtes Gewissen hat, sondern sich überlegt, wie man beiden Bereichen gerecht werden kann.

Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz ist sehr wichtig.

Das ideale Unternehmen setzt die Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Ideen einbringen können. Denn davon hängt ab, wie man den Spagat zwischen „work“ und „life“ meistert. Man selbst kann noch so motiviert und tatkräftig sein – wenn ein Unternehmen diesen Geist nicht trägt und die Unterstützung des Umfelds nicht da ist, schafft man es nicht.
Der Arbeitgeber hat viel vom Engagement in Sachen Familienfreundlichkeit: seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sehr viel Kompetenz erworben, sind viel offener in ihren Gedanken und gehen ihre Arbeit ohne Scheuklappen an. Das Ideal ist nicht, dass alles schon da und geregelt ist, sondern dass es einen Raum gibt, wo man etwas schaffen kann. Also engagiert statt arrangiert!

Für mich war schnell klar, dass ich auf jeden Fall wieder zurück in den Beruf möchte.

Mein Arbeitgeber MVV Energie hat sehr positiv reagiert und mir genügend Zeit für die Entscheidung gegeben, wie die Rückkehr in den Job konkret aussehen soll. Etwa zur gleichen Zeit hat man sich dort Gedanken darüber gemacht, was man für Kinder und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun kann. Man hat sich entschlossen, als ersten Schritt für alle eine Plattform zu schaffen, die sich für das Thema interessierten. Dort haben wir – ungefähr 15 Mütter und Väter – eine Elterninitiative gegründet und angefangen, Ideen zu sammeln. Ganz klasse: die Väter waren nicht in der Minderheit! Wir wollten unseren Kindern die Möglichkeit geben, gut aufzuwachsen und selbst kein schlechtes Gewissen haben. Wir haben uns mit Vertretern der Stadt zusammengesetzt und die Möglichkeiten diskutiert. Schnell wurde klar, dass wir als Trägerverein anerkannt und so als Betreiber einer eigenen Einrichtung gefördert werden könnten.
Unterstützung hatten wir dabei vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und einem Kollegen, der schon einmal ein solches Projekt umgesetzt hatte. Viel haben wir über Netzwerke geschafft, und auch von der Stadt haben wir viel Hilfe bekommen und sind immer auf offene Ohren gestoßen. So konnten wir nach nur einem Jahr die Eröffnung der „Kleinen Stromer” feiern. Die Kita wird von Stadt und Land gefördert, MVV Energie ist Sponsor. So können wir die Elternbeiträge im Rahmen halten, was uns wichtig war, da die kleinen Stromer keine „Elitekrippe“ werden, sondern für alle offen sein sollte.

Als berufstätiger Elternteil erwirbt man Management-Kompetenzen.

Denn: die Frustrationstoleranz muss steigen, Sie müssen delegieren können und Entscheidungen treffen, die Kritik- und Reflektionsfähigkeit wird geschult – all das üben berufstätige Eltern tagtäglich, ohne ein teures Weiterbildungsseminar. Ich freue mich, wenn Menschen für die Elternzeit angemessene Vokabeln haben und nicht etwa kleinlaut sagen müssen „ich habe nichts gemacht“. Da muss man ihnen etwas an die Hand geben, denn sie leisten etwas, auf das sie stolz sein können.

Wir haben uns bewusst für das „Wohnen in der Stadt“ entschieden und wohnen in der Neckarstadt-Ost, also in Innenstadtnähe.

Ich freue mich, dass ich kein Auto brauche, sondern viel zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann. Ich finde es toll, wenn Kinder lernen, dass sie zu ihren Freizeitbeschäftigungen auch zu Fuß und nicht nur mit dem Auto kommen. Wir haben hier einen wunderbaren Park, viele Spielplätze und eine gute Anbindung an den ÖPNV. Es gibt allerdings auch noch ein paar „Baustellen“ – Sauberkeit ist ein Thema, die Breite Straße könnte wieder etwas attraktiver werden, manche Wege in der Innenstadt sind nicht sehr lauffreundlich. Allerdings: in Mannheim wird viel gemacht, hier ist viel in Bewegung. Überhaupt ist an vielen Stellen Bürgerbeteiligung möglich, über das Quartiermanagement gibt es gute Plattformen dafür. Andere tolle Beispiele sind das Nationaltheater, das viel für Kinder anbietet, der Familienpass oder das ehrenamtliche Engagement des TSV Mannheim. Überhaupt ist Mannheim eine tolle Stadt, in der man viel erleben kann, wenn man sich einbringt.

In Mannheim kann man wunderbare Netzwerke knüpfen, für Ideen lassen sich hier immer motivierte Mitstreiter finden.

Dr. Liane Schmitt leitet in Teilzeit (80%) die Personalentwicklung bei der MVV Energie AG. Die gelernte Bankkauffrau hat nach ihrer Ausbildung in Karlsruhe nebenberuflich BWL und danach in Mannheim Psychologie studiert und anschließend promoviert. In der Quadratestadt hat sie auch geheiratet und ist von ihrem Mann zur „überzeugten Mannheimerin“ gemacht worden. Die berufstätige Mutter engagiert sich im Vorstand der „Kleinen Stromer e.V.“ und macht zurzeit eine Weiterbildung im Bereich Work Life Competence Management.